Der Oberkeuper

Der Oberkeuper

Der Oberkeuper beinhaltet in Südwestdeutschland die Trossingen- und die Exter-Formation. Er gehört teilweise noch dem Oberen Norium an und umfasst desweiteren das gesamte Rhaetium (Rhät).
Er war beeinflusst von der im Norium eingetretenen klimatischen Abkühlung und Zunahme der Niederschläge, dennoch war das Klima weiterhin tropisch-semiarid mit jahreszeitlichen Monsunregen.

»   Die Trias-Jura-Grenze mit Oberkeuper-Sandsteinen (Tübingen-Sandstein) unter Tonen des Unterjuras

Verbreitung

Der Oberkeuper bildet den kaum gesondert in Erscheinung tretenden Anschluss der Schichtstufen des Sandsteinkeupers (Mittelkeuper) und der auf sie folgenden Verebnungsflächen im südwestdeutschen Schichtstufenland. Durch Erosion sowohl noch während des Oberkeupers als auch in nachjurassischer Zeit ist keine durchgehende Sedimentdecke erhalten.

Klima, Paläogeographie und Faziesentwicklung

Eine globale Abkühlung und die Zunahme von Monsunregenfällen, die sich bereits zuvor im Norium vollzogen hatte, war auch für den Oberkeuper prägend. Das Klima blieb tropisch-semiarid und die Verbindung des Germanischen Beckens mit der Tethys durch das Vindelizisch-Böhmische Massiv weitgehend abgeschnitten, so dass sich im Becken eine Playasee-Ebene ausbreitete, deren Fazies zu Beginn des Oberkeupers auch über die randlichen Alluvialzonen progradierte. Die auffällig roten und violetten Tone der Trossingen-Formation kamen in dieser Ebene zur Ablagerung, wobei sie auch das Oberflächenrelief der zuvor schon teilweise wieder erodierten Alluvialschüttungen des ausgehenden Mittelkeupers plombierten. Sie sind durch pedogene Prozesse weitgehend entschichtet und mit Gips- und karbonatischen Knollen durchsetzt ("Knollenmergel").

Von Westen kommend ist eine allmähliche marine Ingression in das Playabecken zu beobachten, die zu einem abrupten Fazieswechsel führt: Die Exter-Formation, die in Süddeutschland zunächst durch sandige Einschaltungen, später durch massive marine Sandsteinkomplexe, aber auch mächtige marine und limnische Tonsteinabfolgen gekennzeichnet ist.

Ein Meeresspiegelrückgang zum Ende der Exter-Formation bedeutete eine erneute Abtragungsphase, auf die schließlich die Ausbreitung des Jurameers über das Gebiet des ehemaligen Germanischen Beckens folgte.

Stratigrafie und Fossilbefund

In der älteren Literatur über die triassische Stratigrafie Süddeutschlands wird die Trossingen-Formation dem Mittelkeuper zugerechnet. Es liegt jedoch nahe, sie im Kontrast zur zuende gegangenen Zeit der großen alluvialen Schüttungen in das Mittelkeuperbecken, von denen sie außerdem durch das Zeitintervall der D5-Diskordanz getrennt ist, und aufgrund ihrer weitgehenden zeitlichen Parallelität mit der Exter-Formation in Norddeutschland dem Oberkeuper zuzuordnen (STD, 2016).

Trossingen-Formation ("Knollenmergel")

Die Trossingen-Formation ist ohne weitere Untergliederung. Es handelt sich um rote bis violette Tonsteine meist ohne erkennbare Schichtung. Gips- und Karbonatknollen, aus pedogenen Prozessen hervorgegangen, kommen örtlich in diskreten Lagen vor, die jedoch nicht großräumig aushalten (GEYER & GWINNER, 2011: 205).

An Fossilien wurden aus dem Knollenmergel vor allem zahlreiche Individuen und häufige isolierte Knochen des frühen sauropoden Dinosauriers Plateosaurus engelhardti und vereinzelte Exemplare der Landschildkröte Proganochelys quenstedti bekannt (GEYER & GWINNER, 2011: 205; SCHOCH, 2011) sowie örtlich Nachweise von Süßwassermuscheln und -ostrakoden. Das Artenspektrum, die Erhaltung und die Verteilung der Fossilien - vorwiegend Landwirbeltiere und lokal limnische Invertebraten, oft in kleinräumigen Zusammenschwemmungen angereichert und durch offensichtliche Bodenbildungsprozesse beeinträchtigt - haben maßgeblich zum Verständnis der Ablagerungs- und Bildungsbedingungen des Knollenmergels beigetragen.

Exter-Formation ("Rhät")

Die Exter-Formation umfasst eine dreigliedrige Ausbildung: Vom Liegenden zum Hangenden die Posteraschichten (lakustrin und brackisch), die Contorta- (marin) und schließlich die Triletesschichten (limnisch). Die gesamte Schichtolge erreicht meist nicht mehr als 20 Meter Mächtigkeit und keilt gebietsweise auch ganz aus. In Südwestdeutschland fehlt abgesehen von kleinen Gebieten die Untere Exter-Formation mit den tonigen und dolomitischen, sich schließlich zu einem Sandstein entwickelnden Posteraschichten. Die Contortaschichten der Mittleren Exter-Formation sind im Norden und Westen Südwestdeutschlands tonig ausgebildet (Contortaton), im südöstlichen Gebiet dagegen vorwiegend als mariner Sandstein entwickelt (Contorta-Sandstein). Zwischen Tübingen und Esslingen erreicht der Sandstein als sogenannter Tübingen-Sandstein eine Mächtigkeit von bis zu 12 Metern (GEYER & GWINNER, 2011: 206 ff.), er entstammt hier der Sandstrandfazies eines deltaischen Sedimentationsraums (BEUTLER et al., 1999: 167). Vor allem in den Randgebieten Südwestdeutschlands sind schließlich noch die bis zu 12 Metern mächtigen Tonsteine des Triletestons als Obere Exter-Formation entwickelt, während ansonsten der Unterjura dem Contorta-Sandstein erosionsdiskordant direkt auflagert.

Die - ohnehin schlecht aufgeschlossenen - brackischen Posteraschichten sind fossilarm. Namengebend ist die Muschel Unio posterus, daneben kommen Reste von Fischen vor, die auch aus dem Muschelkalk und Unterkeuper bekannt sind, wie Gyrolepis, Saurichthys und Lissodus. Auch der marine Contortaton birgt nur wenige und schlecht erhaltene Fossilien, vorwiegend Muscheln. Als marine und deltaische Küstenablagerung ist der Contorta-Sandstein dagegen vergleichsweise fossilreich, hier findet sich unter anderem die Muschel Rhaetavicula contorta, das Leitfossil des Rhäts sowohl im Germanischen Becken als auch in der tethydialen Trias (GEYER & GWINNER, 2011: 208). Der Tübingen-Sandstein als Sonderfazies des Contorta-Sandsteins wurde über lange Zeiträume bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Steinbrüchen zur Gewinnung von Baumaterial abgebaut. Dabei wurde ein umfangreicher Fossilbefund dokumentiert, der neben diversen Muschelgattungen auch Pflanzen umfasst. Der Tübingen-Sandstein wird von einem Bonebed abgeschlossen, in dem sich neben Resten von Fischen sowie aquatischen und terrestrischen Reptilien auch Zähne früher Säugetiere finden. Dieses sogenannte Rhätolias-Grenzbonebed entstand bei einer Meerestransgression am Ende des Rhäts, unmittelbar darauf folgt die kalkige Psilonotenbank (Jura, Unteres Hettangium) mit lokalen Vorkommen des namengebenden Zonenleitammoniten Psiloceras planorbis. Allerdings finden sich bereits in der Grenzbonebed-Lage ganz vereinzelt Fragmente von Psiloceras, was die Bonebed-Entstehung zumindest teilweise in den Unterjura datiert (siehe auch GEYER & GWINNER, 2011: 208), und auch die Psilonotenbank enthält aufgearbeitete Komponenten von Contorta-Sandstein und Knollenmergel (SINGH, 1966). Der Trileteston schließlich gilt, abgesehen von Sporen, als fossilfrei.

Im Aufschluss

Fossilien

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